Brenner: Verbesserungen im Nahverkehr zwischen Tirol und Südtirol
Gespräch zwischen Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider und Tiroler Amtskollegen René Zumtobel: neue Perspektiven für den grenzüberschreitenden Verkehr – insbesondere auf der Schiene
BOZEN (LPA). Am 26. Mai hat sich der Landesrat für Infrastruktur und Mobilität Daniel Alfreider mit Tirols Mobilitäts- und Umweltlandesrat René Zumtobel in Bozen getroffen. Im Mittelpunkt des Austauschs stand der öffentliche Nahverkehr über den Brenner.
Begleitet wurden die beiden Politiker von Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Ressorts, der Südtiroler Transportstrukturen AG (STA) sowie des Verkehrsverbundes Tirol (VVT).
"Nicht nur die Euregio, sondern ganz Europa braucht mehr Bahnverkehr", betonte Landesrat Alfreider. "Nur mit den bereits eingeleiteten und den noch folgenden Investitionen können wir eine echte Mobilitätswende schaffen. Gerade Grenzregionen wie unsere brauchen im Bahnbereich mehr Europa, etwa durch die Harmonisierung von Standards. Eine ausgebaute Infrastruktur und neues Rollmaterial werden das Angebot für Pendlerinnen und Pendler schrittweise verbessern", sagte Alfreider zur Bedeutung der europäischen Integration im Verkehrsbereich.
Tirols Mobilitätslandesrat René Zumtobel erklärte: "Konstruktiv zusammenarbeiten, Lösungen finden und den öffentlichen Verkehr laufend verbessern, statt zu resignieren oder Alternativen von vornherein auszuschließen – für mich ist der grenzüberschreitende Dialog entscheidend, um die Entlastung der Bevölkerung entlang stark belasteter Transitrouten voranzutreiben. Nicht nur die Brennersperre am 30. Mai zeigt uns die Grenzen des Straßenverkehrs auf." Nach dem Treffen zeigte sich Zumtobel optimistisch: "Wir konnten viele grundlegende Zukunftsfragen erneut besprechen und die Weichen für den öffentlichen Nahverkehr zwischen Tirol und Südtirol in den kommenden Jahren stellen."
Neue Zuggarnituren ermöglichen Fahrten ohne Umstieg
Ein wesentliches Hindernis im grenzüberschreitenden Schienennahverkehr sind die unterschiedlichen Stromsysteme in Österreich und Italien. Tiroler Nahverkehrszüge können derzeit nicht in Südtirol verkehren – und umgekehrt. Für Fahrgäste bedeutete dies bislang einen Umstieg am Brenner.
Mit der gemeinsamen Beschaffung von insgesamt 21 Mehrsystemfahrzeugen des Typs Coradia Stream werden künftig Direktverbindungen möglich. Zwar ist aufgrund der EU-Vorgaben zur betrieblichen Kommunikation in der jeweiligen Landessprache weiterhin ein kurzer Halt am Brenner mit Personalwechsel vorgesehen, dennoch bringen die neuen, hochmodernen Zuggarnituren deutliche Verbesserungen für die Fahrgäste. Zusätzlich zu den regulären Nahverkehrszügen bis zum Brenner werden künftig auch stündliche grenzüberschreitende Verbindungen ohne Umstieg angeboten. Die Coradia-Stream-Züge verfügen über insgesamt 381 Sitzplätze und bieten zudem mehr Platz für Fahrräder.
Die sechs vom Land Tirol bestellten Fahrzeuge (finanziert durch die ÖBB) werden gemeinsam mit den bereits von Südtirol angekauften 15 Coradia-Stream-Zügen auf den Bahnnetzen der Euregio verkehren und modernen technischen sowie qualitativen Anforderungen entsprechen. Beide Landesräte bezeichneten dies als Meilenstein in der Geschichte der grenzüberschreitenden Nahverkehrsverbindungen.
Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf die gemeinsame Anschaffung und Nutzung der neuen Züge. Auch das seit Jahresbeginn verfügbare Euregio-Ticket, das die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Tirol, Südtirol und Trentino ermöglicht, stellt einen wichtigen Schritt hin zu einem stärker vernetzten Nahverkehrsraum dar.
Aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen und Kaufmodalitäten in Tirol und Südtirol stellt die Einführung gemeinsamer Ticketangebote allerdings eine besondere Herausforderung dar. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, das Angebot auf weitere Altersgruppen auszuweiten. Für Studierende bis 28 Jahre gibt es bereits seit Oktober 2021 das Euregio Ticket Students zum Preis von 377 Euro pro Jahr.
gm/kat